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Cannabiswirkstoffe im Überblick: Tipps für Patient:innen

May 8, 2026
Cannabiswirkstoffe im Überblick: Tipps für Patient:innen

TL;DR:

  • Viele Patient:innen in der Schweiz sind unsicher, welche Cannabiswirkstoffe medizinisch relevant, legal zugänglich und erprobt sind. Medizinische Präparate zeichnen sich durch standardisierte Wirkstoffgehalte, behördliche Zulassung und ärztliche Verschreibung aus und unterscheiden sich deutlich von Lifestyle-Produkten. Die wichtigsten Wirkstoffe sind THC und CBD, deren Wirkung, Einsatzbereiche und Präparate ausführlich erklärt werden, während weniger bekannte Phytocannabinoide noch erforscht werden.

Viele Patient:innen in der Schweiz stehen vor der gleichen Herausforderung: Sie hören von verschiedenen Wirkstoffen aus der Cannabispflanze, verstehen aber nicht, welche davon medizinisch relevant, legal zugänglich und tatsächlich erprobt sind. Die Palette an Bezeichnungen ist gross, die Informationslage unübersichtlich, und nicht jedes Produkt, das sich als natürliches Heilmittel präsentiert, erfüllt die strengen Anforderungen des schweizerischen Heilmittelrechts. Dieser Artikel schafft Orientierung: Sie erfahren, welche Wirkstoffe aus der Cannabispflanze medizinisch untersucht sind, wie die rechtliche Einordnung in der Schweiz aussieht, und worauf Sie bei der Therapieentscheidung wirklich achten sollten.

Inhaltsverzeichnis

Wichtige Erkenntnisse

PunktDetails
THC und CBD zentralFür Patient:innen in der Schweiz sind THC und CBD die medizinisch wichtigsten Cannabiswirkstoffe.
Rezeptpflicht beachtenNur THC-haltige Präparate erfordern ein ärztliches Rezept, CBD-Produkte mit unter 1% THC sind rezeptfrei.
Weitere Wirkstoffe im FokusCBG, CBN und CBC bieten neue Optionen, werden medizinisch jedoch erst erforscht.
Präparatewahl ist entscheidendStandardisierte Arzneimittel wie Sativex® bieten geprüfte Sicherheit für bestimmte Indikationen.
Expertenrat ist ratsamDie individuelle Beratung durch medizinisches Fachpersonal ist für die sichere Anwendung unerlässlich.

Kriterien für Medizinischen Einsatz von Cannabiswirkstoffen in der Schweiz

Nach der Einführung in das Thema werden nun die wichtigsten Kriterien zur Bewertung von Wirkstoffen aus der Cannabispflanze erklärt, damit Sie als Patient:in fundierte Fragen stellen und informierte Entscheidungen treffen können.

Was unterscheidet Medizinische Präparate von Lifestyle-Produkten?

Nicht alles, was als pflanzlich oder natürlich vermarktet wird, ist automatisch ein Arzneimittel. Im schweizerischen Kontext ist die Unterscheidung zwischen einem zugelassenen Heilmittel und einem frei verkäuflichen Nahrungsergänzungsmittel oder Lifestyle-Produkt von grosser Bedeutung, denn sie bestimmt, ob das Produkt einer klinischen Prüfung unterzogen wurde, ob eine einheitliche Wirkstoffmenge garantiert ist und ob ärztliche Begleitung erforderlich ist.

Medizinisch relevante Präparate auf Basis von Pflanzenwirkstoffen aus Cannabis zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Standardisierte Wirkstoffgehalte: Die Konzentration der aktiven Substanzen ist präzise dokumentiert und kontrolliert.
  • Behördliche Zulassung oder Bewilligung: Das Präparat wurde von Swissmedic geprüft oder es liegt eine spezifische ärztliche Verschreibung gemäss den geltenden Vorschriften vor.
  • Ärztliche Verschreibung: Für Wirkstoffe, die dem Betäubungsmittelgesetz (BetmG) unterstehen, ist zwingend eine Verschreibung durch eine zugelassene Ärztin oder einen zugelassenen Arzt nötig.
  • Dokumentiertes Indikationsspektrum: Der Einsatz ist auf bestimmte, klinisch begründete Situationen beschränkt.
  • Qualitätssicherung in der Herstellung: Apotheken und Hersteller unterliegen strengen Anforderungen an die pharmazeutische Qualität.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hält fest, dass in der Schweiz neben zugelassenen Fertigarzneimitteln und pflanzenwirkstoffhaltigen Präparaten auch magistrale Rezepturen sowie Präparate mit niedrigem Gesamt-THC-Gehalt unter spezifischen Voraussetzungen verfügbar sind, wobei die genaue rechtliche Einordnung stark vom Wirkstoffgehalt und der Darreichungsform abhängt.

Profi-Tipp: Achten Sie immer darauf, ob ein Produkt dem Betäubungsmittelgesetz untersteht oder als frei erhältliches Nahrungsergänzungsmittel eingestuft ist. Diese Unterscheidung bestimmt nicht nur die Legalität des Erwerbs, sondern auch die Qualitätssicherung des Produkts. Mehr zur CBD Rechtslage Schweiz sowie zum medizinischen Cannabis-Rechtsstatus finden Sie in den entsprechenden Fachartikeln.

Typische Anwendungssituationen im Überblick

Patient:innen, die sich für pflanzliche Wirkstoffe aus Cannabis interessieren, leiden häufig unter einer der folgenden Beschwerdebilder: chronische Schmerzen, die auf andere Therapien nicht ausreichend ansprechen, neurologisch bedingte Spastik, oder anhaltende Schlafstörungen mit reduzierter Lebensqualität. Für all diese Situationen gibt es unterschiedliche Wirkstoffe und Präparate, die jedoch stets in einem ärztlich begleiteten Rahmen angewendet werden sollten. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über mögliche Optionen.

Hauptwirkstoffe: Wirkung, Einsatz und Präparate

Nun, da die Grundkriterien definiert wurden, stellt sich die Frage: Welche Wirkstoffe aus der Cannabispflanze sind am wichtigsten? Im Zentrum stehen die beiden bekanntesten und bestuntersuchten Substanzen, deren Wirkung auf das körpereigene Endocannabinoid-System heute intensiv erforscht wird.

Die Zwei Zentralen Wirkstoffe: Eigenschaften und Wirkmechanismen

Besonders gut untersuchte Pflanzenwirkstoffe aus Cannabis sind die beiden Substanzen, die in nahezu allen klinisch relevanten Präparaten eine Rolle spielen. Sie greifen auf unterschiedliche Weise in das Endocannabinoid-System des menschlichen Körpers ein, ein Netzwerk von Rezeptoren und Botenstoffen, das an der Regulation von Schmerz, Stimmung, Schlaf und Entzündungsreaktionen beteiligt ist.

Ein Mann stellt in den eigenen vier Wänden medizinisches Cannabisöl her.

Der erste Wirkstoff wirkt vorwiegend über CB1-Rezeptoren im zentralen Nervensystem. Diese Bindung erklärt sowohl die analgetischen (schmerzlindernden) Eigenschaften als auch die psychotropen Effekte, die bei höheren Konzentrationen auftreten können. Der zweite Wirkstoff bindet weniger stark an CB1-Rezeptoren und beeinflusst stärker andere Signalwege, was sein günstigeres Verträglichkeitsprofil erklärt.

Wichtige Eigenschaften im direkten Vergleich:

  • Wirkmechanismus: Ersterer wirkt primär auf CB1-Rezeptoren im Gehirn und Rückenmark; Letzterer moduliert CB2-Rezeptoren und weitere Signalwege wie Serotoninrezeptoren.
  • Psychoaktivität: Ersterer besitzt psychotrope Wirkung ab bestimmten Konzentrationen; Letzterer gilt als nicht psychoaktiv.
  • Rechtliche Einordnung: Ersterer untersteht dem BetmG ab einem Gehalt von 1%; Letzterer ist bei niedrigem Gehalt rezeptfrei erhältlich.
  • Verträglichkeitsprofil: Ersterer kann Müdigkeit, Schwindel und kognitive Beeinträchtigungen verursachen; Letzterer gilt allgemein als gut verträglich.
  • Kombinierbarkeit: Beide Wirkstoffe werden auch in Kombination eingesetzt, da sie synergistisch wirken können, was als "Entourage-Effekt" bezeichnet wird.
KriteriumWirkstoff 1Wirkstoff 2
PsychoaktivitätJa, dosisabhängigNein
RezeptpflichtJa (bei ≥ 1%)Nein (bei < 1%)
HauptrezeptorCB1CB2, Serotonin
Bekannte DarreichungsformÖl, Spray, KapselÖl, Kapsel, Tropfen
Klinische DatenlageUmfangreichUmfangreich
Typischer EinsatzbereichSchmerz, SpastikSchlaf, Angst, Entzündung

Ein klinisch besonders relevantes Fertigarzneimittel kombiniert beide Wirkstoffe im Verhältnis 1:1 und ist in der Schweiz für einen spezifischen neurologischen Einsatz durch Swissmedic zugelassen als einziges Fertigpräparat dieser Zusammensetzung bei mittelschwerer bis schwerer Spastik im Rahmen einer Multiplen Sklerose.

Einen Überblick aller Wirkstoffe sowie eine ausführliche Erklärung zum Unterschied der beiden Hauptwirkstoffe bieten weiterführende Ressourcen. Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem klinisch relevanten Einsatz des ersten Wirkstoffs empfiehlt sich der Leitfaden zur medizinischen Wirkung.

Darreichungsformen und Präparatetypen

Die Art der Verabreichung beeinflusst den Wirkungseintritt, die Dauer und die Steuerbarkeit der Therapie erheblich. Patient:innen sollten verstehen, dass ein Spray mit schnellem Wirkungseintritt andere Anforderungen an die ärztliche Begleitung stellt als ein Öl mit langsamerem Wirkverlauf.

  • Mundhöhlensprays: Schneller Wirkungseintritt, präzise Dosierbarkeit, standardisierte Wirkstoffgehalte.
  • Öle und Tinkturen: Flexibel in der Dosierung, langsamer Wirkungseintritt, häufig für die Dauertherapie geeignet.
  • Kapseln: Gleichmässige Wirkstofffreisetzung, einfache Handhabung, längere Latenzzeit bis zum Wirkungseintritt.
  • Magistrale Rezepturen: Individuell in der Apotheke hergestellt, auf spezifische Patientenbedürfnisse zugeschnitten, strenge Qualitätsanforderungen.

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, welche Darreichungsform für Ihre individuelle Situation am geeignetsten ist.

Weitere Wirkstoffe: CBG, CBN, CBC und Co.

Neben den beiden bekanntesten Wirkstoffen gibt es noch weitere Inhaltsstoffe der Cannabispflanze. Diese werden seltener eingesetzt, bieten aber neue Forschungsansätze und könnten künftig therapeutische Bedeutung erlangen.

Weniger Bekannte Wirkstoffe im Überblick

Die Cannabispflanze enthält über 100 verschiedene Phytocannabinoide, also pflanzliche Wirkstoffe, die biochemisch miteinander verwandt sind. Die meisten davon sind bislang nur unzureichend erforscht. Weitere identifizierte Wirkstoffe wie CBG, CBN und CBC werden zwar biochemisch als relevant eingestuft, ihre klinische Datenlage ist jedoch deutlich dünner als jene der beiden Hauptwirkstoffe.

Cannabigerol (CBG): CBG gilt als sogenannte "Stammsubstanz", aus der viele andere Phytocannabinoide biosynthetisch entstehen. Frühe Laborstudien deuten auf mögliche entzündungshemmende und antibakterielle Eigenschaften hin. Klinische Studien am Menschen fehlen jedoch weitgehend, sodass CBG derzeit kein anerkanntes Arzneimittel ist.

Cannabinol (CBN): CBN entsteht durch den Abbau des ersten Hauptwirkstoffs bei Lagerung oder Erhitzung. Es besitzt eine leichte psychoaktive Wirkung und wird in einigen Kreisen als schlaffördernde Substanz diskutiert. Wissenschaftliche Belege für eine therapeutische Wirkung beim Menschen sind bislang aber begrenzt und rechtfertigen noch keine klinische Empfehlung.

Cannabichromen (CBC): CBC ist das drittmeist vorkommende Phytocannabinoid in bestimmten Pflanzenvarianten. Es bindet kaum an CB1- oder CB2-Rezeptoren und interagiert stattdessen mit anderen Rezeptoren im Körper. Mögliche entzündungshemmende Effekte werden diskutiert, klinische Bestätigung steht jedoch aus.

Cannabidivarin (CBDV): CBDV ist eine strukturell verwandte Variante des zweiten Hauptwirkstoffs und wird vornehmlich in der Epilepsieforschung untersucht. Erste klinische Studien laufen, aber breite klinische Verfügbarkeit besteht noch nicht.

Liste weiterer Wirkstoffe mit Nutzenpotenzial:

  • CBG: Mögliche entzündungshemmende Wirkung, Vorstadium anderer Phytocannabinoide
  • CBN: Mögliche Sedierung, entsteht aus Abbau anderer Wirkstoffe
  • CBC: Mögliche entzündungshemmende Wirkung, schwache Rezeptorbindung
  • CBDV: Frühe Forschungsphase, mögliche neurologische Anwendungen
  • Terpene: Nicht-cannabinoide Pflanzenstoffe, die den Entourage-Effekt mitprägen

Weiterführende Informationen zur medizinischen Wirkung des zweiten Hauptwirkstoffs sowie eine allgemeine Einführung zu Wirkstoffen aus der Cannabispflanze helfen bei der Einordnung dieser Substanzen.

Profi-Tipp: Wenn Ihnen ein Produkt mit CBG, CBN oder CBC als Hauptwirkstoff empfohlen wird, fragen Sie stets nach dem Zulassungsstatus und der klinischen Evidenzlage. Ein nicht zugelassenes Produkt ohne ausreichende Studiendaten bietet möglicherweise keine verlässliche therapeutische Wirkung und kann unbekannte Risiken bergen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie solche Produkte ausprobieren.

Vergleichstabelle: Übersicht der Wichtigsten Wirkstoffe und Präparate

Abschliessend werden die besprochenen Wirkstoffe systematisch verglichen. So können Sie gezielt entscheiden, welche Fragen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt stellen möchten, und einschätzen, in welchem Bereich ein Wirkstoff klinisch etabliert ist.

Systematischer Vergleich aller Wirkstoffe

Mehrere Phytocannabinoide wurden bislang identifiziert und biochemisch charakterisiert. Die folgende Tabelle fasst den aktuellen Stand zusammen, ohne therapeutische Versprechen zu machen:

WirkstoffKlinische DatenlageRechtliche Einordnung SchweizDarreichungsformZulassungsstand
Wirkstoff 1UmfangreichBetmG ab 1%Spray, Öl, KapselFertigarzneimittel und Magistralrezeptur
Wirkstoff 2UmfangreichFrei bis <1%Öl, Kapsel, TropfenFertigarzneimittel und rezeptfrei
CBGBegrenztNicht klassifiziertÖl (keine Zulassung)Kein Arzneimittel
CBNBegrenztNicht klassifiziertÖl (keine Zulassung)Kein Arzneimittel
CBCBegrenztNicht klassifiziertForschungsphaseKein Arzneimittel
CBDVFrühe StudienNicht klassifiziertForschungsphaseKein Arzneimittel
Kombination 1+2UmfangreichBetmG-pflichtigMundschleimhautspraySwissmedic-zugelassen

Wann Welcher Präparatetyp Sinnvoll Ist

Die Wahl des richtigen Präparatetyps hängt von mehreren Faktoren ab, die ausschliesslich im Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt abgeklärt werden können. Folgende Faustregel gibt eine erste Orientierung:

  • Fertigarzneimittel: Wenn ein klar definiertes Krankheitsbild vorliegt, für das eine Zulassung besteht. Höchste Qualitätssicherung, standardisierte Wirkstoffgehalte.
  • Magistrale Rezepturen: Wenn ein individueller Bedarf besteht, der kein Fertigarzneimittel abdeckt. Werden in der Apotheke nach ärztlicher Verschreibung hergestellt.
  • Rezeptfreie Präparate mit niedrigem Wirkstoffgehalt: Für leichtere Beschwerden, bei denen keine Rezeptpflicht besteht. Qualität variiert stark je nach Hersteller.
  • Forschungspräparate (CBG, CBN, CBC): Derzeit keine klinische Empfehlung, ausschliesslich im Rahmen von Studien relevant.

Das THC-CBD-Verhältnis spielt bei der Wahl eines geeigneten Präparats eine entscheidende Rolle. Die Zusammensetzung beeinflusst sowohl die Wirkstärke als auch das Verträglichkeitsprofil erheblich, und eine individuelle Beurteilung durch Fachpersonal ist unerlässlich.

Expertenmeinung: Worauf Patient:innen Besonders Achten Sollten

Nach dem objektiven Vergleich folgt eine praxisnahe, redaktionell-empfehlende Sicht darauf, worauf es bei der Auswahl und dem Umgang mit Wirkstoffen aus Cannabis wirklich ankommt.

Das Häufigste Missverständnis: Legalität ist nicht Gleich Wirksamkeit

In der täglichen Beratungspraxis zeigt sich immer wieder, dass Patient:innen zwei Dinge gleichsetzen, die tatsächlich nichts miteinander zu tun haben: die rechtliche Zugänglichkeit eines Produkts und dessen nachgewiesene klinische Wirksamkeit. Ein Produkt kann legal erhältlich sein, ohne dass auch nur eine einzige klinische Studie seine Wirksamkeit beim Menschen belegt. Umgekehrt kann ein verschreibungspflichtiges Präparat trotz umfangreicher Studienlage im Einzelfall ungeeignet sein.

Besonders im Bereich der weniger bekannten Wirkstoffe wie CBG oder CBN ist Vorsicht geboten. Der Markt reagiert schnell auf wissenschaftliche Vorstudienergebnisse und vermarktet Substanzen, die noch weit von klinischer Reife entfernt sind. Das ist nicht per se problematisch, solange Patient:innen den Unterschied kennen: zwischen einem Laborergebnis und einer zugelassenen Therapieoption.

Klinische Relevanz geht vor Modetrend

Aus unserer Sicht ist die wichtigste Empfehlung an alle Patient:innen diese: Wählen Sie im Zweifel das Bewährte. Die beiden gut untersuchten Hauptwirkstoffe haben Jahrzehnte klinischer Forschung hinter sich. Ihre Wirkungsprofile, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind deutlich besser verstanden als bei neueren Wirkstoffen.

Das bedeutet nicht, dass neuere Forschungssubstanzen keine Zukunft haben. CBG etwa zeigt in Labormodellen interessante entzündungshemmende Eigenschaften. Aber bis klinische Studien der Phase III vorliegen und Behörden wie Swissmedic eine Zulassung erteilt haben, bleibt es bei einem Potenzial ohne Beweis.

Wirkstoffkombinationen können durchaus Vorteile bieten. Der sogenannte Entourage-Effekt, bei dem verschiedene Pflanzeninhaltsstoffe synergistisch zusammenwirken, ist wissenschaftlich diskutiert und in einigen Präparaten bewusst genutzt. Aber auch hier gilt: Kombinationen müssen klinisch erprobt sein, nicht nur theoretisch plausibel.

Auf Nebenwirkungen und Wechselwirkungen Achten

Ein weiterer Aspekt, der in Gesprächen mit Patient:innen oft zu kurz kommt: Phytocannabinoide sind pharmakologisch aktive Substanzen, die mit anderen Medikamenten interagieren können. Der erste Hauptwirkstoff kann etwa die Wirkung von Antikoagulantien, Schlafmitteln oder Antiepileptika beeinflussen. Auch der zweite Hauptwirkstoff ist kein pharmakologisch inerter Stoff, er hemmt bestimmte Leberenzyme und kann die Konzentration anderer Medikamente im Blut verändern.

Rechtlich und praktisch entscheidend für Patient:innen in der Schweiz ist daher nicht nur die Frage, welcher Wirkstoff grundsätzlich infrage kommt, sondern ob die gesamte Medikation und das individuelle Gesundheitsprofil eine sichere Anwendung erlauben. Diese Beurteilung kann ausschliesslich durch qualifiziertes medizinisches Fachpersonal erfolgen.

Unser Fazit ist klar: Nicht alles, was als Pflanzenwirkstoff vermarktet wird, ist automatisch hilfreich oder legal. Eine informierte, ärztlich begleitete Entscheidung schützt vor Fehlinvestitionen, rechtlichen Risiken und gesundheitlichen Nachteilen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Und wenn Sie gezielt Orientierung suchen, bietet eine umfassende Wirkübersicht der Wirkstoffe einen guten Ausgangspunkt.

Mehr Erfahren: Ihr Weg zur sicheren Versorgung in der Schweiz

Nach der Experteneinschätzung folgt der Hinweis, wie Betroffene kompetent unterstützt werden können. Wer sich als Patient:in in der Schweiz mit dem Thema pflanzliche Wirkstoffe aus Cannabis auseinandersetzt, verdient einen klaren, sicheren und rechtlich korrekten Weg zur ärztlichen Beratung.

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Evidena.care begleitet Sie auf diesem Weg. Die Plattform bietet eine vollständig digitale, telemedizinische Betreuung durch Fachärztinnen und Fachärzte, die sich auf dieses Gebiet spezialisiert haben. Auf der Website finden Sie eine transparente Übersicht zur Cannabis-Therapie in der Schweiz, eine verständliche Erklärung des Rezeptablaufs bei medizinischem Cannabis sowie alle Details zu den relevanten Wirkstoffen. So erhalten Sie fundierte Informationen und kompetente Begleitung, ohne Kompromisse bei Sicherheit oder Legalität eingehen zu müssen.

Häufig Gestellte Fragen zu Cannabiswirkstoffen

Welche Wirkstoffe aus der Cannabispflanze sind in der Schweiz am Wichtigsten?

Am klinisch bedeutsamsten sind die beiden bestuntersuchten Phytocannabinoide aus der Cannabispflanze, da sie über die umfangreichste Evidenzbasis verfügen und in zugelassenen Fertigarzneimitteln sowie magistralen Rezepturen eingesetzt werden.

Brauche ich in der Schweiz Immer ein Rezept für Medizinische Wirkstoffe aus Cannabis?

Präparate mit einem Wirkstoffgehalt ab 1% des ersten Hauptwirkstoffs unterstehen dem Betäubungsmittelgesetz und sind rezeptpflichtig, während Produkte mit niedrigem Gehalt unter 1% des ersten Hauptwirkstoffs in der Schweiz grundsätzlich ohne Rezept erhältlich sind.

Welche Nebenwirkungen gibt es beim Einsatz der Hauptwirkstoffe?

Der erste Hauptwirkstoff kann dosisabhängig psychotrope Effekte wie Müdigkeit, Schwindel, Appetitveränderungen und kognitive Beeinträchtigungen verursachen, während der zweite Hauptwirkstoff bei den meisten Patient:innen gut verträglich ist, aber Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben kann.

Welches Kombinationspräparat ist für Spastik bei Multipler Sklerose zugelassen?

Ein Swissmedic-zugelassenes Kombipräparat im Verhältnis 1:1 aus beiden Hauptwirkstoffen als Mundschleimhautspray ist die einzige in der Schweiz zugelassene Option dieser Art für die Zusatztherapie bei mittelschwerer bis schwerer Spastik im Kontext einer Multiplen Sklerose.

Gibt es Neue Wirkstoffe aus Cannabis mit Potenzial für die Medizin?

Ja, mehrere weitere Phytocannabinoide wie Cannabigerol, Cannabinol und Cannabichromen werden derzeit biochemisch und in frühen klinischen Studien untersucht, stehen jedoch noch am Anfang ihrer Entwicklung und sind aktuell keine zugelassenen Arzneimittel.

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